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PRESSECOMMUNIQUÉ vom 9. Februar 2005

“PARLEZ-VOUS SUISSE?“: SPRACHENGESETZ WIRD WIEDER ZUR CHANCE FÜR EINE MEHRSPRACHIGE SCHWEIZ


Die aus 16 Organisationen bestehende Arbeitsgemeinschaft “PARLEZ-VOUS SUISSE?“ begrüsst die Tatsache, dass sich in der schweizerischen Sprachenpolitik die Möglichkeit einer Neuorientierung eröffnet. Die Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK) des Ständerates hat sich in ihrer Sitzung vom 4. Februar mit grosser Mehrheit (9 zu 2 Stimmen bei einer Enthaltung) für die Initiative Levrat ausgesprochen, die eine Wiederaufnahme der parlamentarischen Debatte zum neuen Sprachen- und Verständigungsgesetz verlangt. Sogar einstimmig leistete die Kommission des Nationalrats am 12. November 2004 der Initiative Folge. Der Bundesrat hatte das Gesetz im April des letzten Jahres aus finanziellen Gründen aufs Eis gelegt, obwohl der Entwurf gesamtschweizerisch auf grossen Konsens gestossen war.
Der Ball liegt nun beim Parlament. Ein neues Sprachengesetz kann gewiss keine Wunder bewirken. Es ist aber zum einen ein unabdingbares Instrument für eine schweizerische Sprachenpolitik, die den Verfassungsauftrag (Art. 70) ernst nehmen will, indem es die Verständigung und den Austausch zwischen den Sprachgemeinschaften fördert und die mehrsprachigen Kantone sowie die Kantone Graubünden und Tessin bei der Förderung der rätoromanischen und italienischen Sprache unterstützt. Zum anderen kann eine national geführte Debatte dazu beitragen, dass die Sensibilität für die Sprachenproblematik nicht länger eine Eigenschaft der Minderheiten bleibt. Die Vielfalt der Sprachen und Kulturen ist ein Reichtum unseres Landes und ihre Bedeutung muss zum Anliegen aller Schweizerinnen und Schweizer sein, damit tragfähige Lösungen gefunden werden können.
“PARLEZ-VOUS SUISSE?“ wird sich weiterhin für die Förderung der sprachlichen und kulturellen Vielfalt in der Schweiz sowie für die Verständigung zwischen den Sprachgemeinschaften einsetzen. Gegenwärtige Prioritäten sind die Begleitung der parlamentarischen Debatte zum Sprachen- und Verständigungsgesetz sowie der Einsatz für eine bessere Vertretung der italienischen Sprache und Kultur in der Schweiz.

Warnung vor Ghettoisierung der Italienischen Schweiz
Die WBK-Beschlüsse sind ein deutliches Signal an den Bundesrat, nicht nur, weil sie einen klaren politischen Willen zugunsten des neuen Gesetzes bekunden und die Relevanz der Sprachenfrage anerkennen, sondern auch, weil sie in einem Moment gefällt wurden, in dem das Thema “Sprachen“ in der Öffentlichkeit für Aufmerksamkeit sorgt. Nebst dem Dauer-thema des Fremdsprachenunterrichts in der Grundschule hat in den letzten Wochen der Verzicht auf die Lehrstühle für Italienisch an der ETH Zürich und der Universität Neuchâtel eine Protestwelle in der ganzen Schweiz ausgelöst. In diesem Zusammenhang hat “Coscienza Svizzera“, ein Mitglied von “PARLEZ-VOUS SUISSE?“, eine Volksinitiative in Aussicht gestellt, welche das Primat der Nationalsprachen in der Verfassung verankern will. Die Gefahr einer schleichenden Ghettoisierung der Italienischen Schweiz wird durch weitere Zeichen untermauert, so z.B. ihre schwindende Vertretung in der Bundesverwaltung und im Bundesrat oder die landesweiten Einschränkungen für eine rechtzeitige Verteilung von Tessiner Zeitungen. Es gilt, diese Zeichen ernst zu nehmen und für die entsprechenden Probleme gesamtschweizerische Lösungen anzustreben.

Kontaktpersonen:
Gianni Ghisla (Sekretär Stiftung Sprachen und Kulturen): 079 247 49 55
Paolo Barblan (Geschäftsführer Forum Helveticum): 062 888 01 25

E-mail: pvs@pvs.ch / Homepage: www.pvs.ch

 

Pressecommuniqué (PDF)

Pressecommuniqué 19.11.2004(PDF)